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Finanzbetrug ist schlimm genug. Unter Gehörlosen ist er besonders traurig.
Vor dem Landgericht Dresden steht ein gehörloser Mann. Er soll gehörlose Anleger um viel Geld gebracht haben. Was passiert ist – und wie Du Dich schützt.
Warnsignale ansehen →Das Wichtigste auf einen Blick
😔 Ein gehörloser Mann soll ein angebliches Geldanlage-Modell „von und für Hörgeschädigte“ verkauft haben.
📈 Versprochen wurden bis zu 400 Prozent Rendite. Das ist unmöglich.
💸 Laut Anklage kamen so über 800.000 Euro zusammen. Angelegt wurde das Geld nicht.
🤟 Alle rund 40 Opfer sind gehörlos. Das ist das eigentlich Traurige an diesem Fall.
Der Fall in Zahlen
Die Staatsanwaltschaft Dresden hat einen 45-jährigen Mann wegen Betrugs in 76 Fällen angeklagt. Er ist selbst gehörlos. Zwischen Januar 2024 und Anfang 2026 soll er im Internet verschiedene „Pakete“ einer angeblich selbst entwickelten Geldanlage angeboten haben. Seit April sitzt er in Untersuchungshaft. Seit November läuft der Prozess am Landgericht Dresden.
versprochene Rendite – laut dpa sogar pro Monat
sollen Anleger insgesamt eingezahlt haben
wurden an einige Anleger zurückgezahlt – mit dem Geld anderer Opfer
Opfer – und alle sind gehörlos
Laut Anklage wurde mit dem restlichen Geld der Lebensunterhalt bezahlt und gespielt. Die Staatsanwältin nennt es „ein klassisches Schneeballsystem“. Geplant sind über 30 Prozesstage, an jedem Tag dolmetschen zwei Gebärdensprachdolmetscherinnen.
Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe. Bis zu einem Urteil gilt die Unschuldsvermutung. Alle Angaben stammen aus Presseberichten, siehe Quellen unten.
Kein Einzelfall
Der Fall aus Dresden steht in vielen Zeitungen. Und er ist leider nicht der erste: Auch in den USA hat die Börsenaufsicht SEC schon mehrfach Betrüger angeklagt, die gezielt gehörlose Anleger ausgenommen haben – oft selbst gehörlos.
Gehörloser Betrüger zockte gehörlose Opfer ab
Michael G. (45) soll gutgläubige Anleger um ihre Ersparnisse gebracht haben. Der Prozess am Landgericht Dresden ist eine Herausforderung: Der Angeklagte und alle seine 40 Opfer sind gehörlos.
Er bot ein angeblich selbst entwickeltes Geldanlage-Modell an und versprach bis zu 400 Prozent Rendite. So soll er 808.000 Euro kassiert haben. An einige Anleger zahlte er 140.000 Euro zurück.
„Das waren keine Gewinne aus angelegtem Geld, sondern eingenommene Gelder anderer Opfer.“ – die StaatsanwältinGeplant sind über 30 Prozesstage. Pro Verhandlungstag sind zwei Gebärdensprachdolmetscherinnen dabei.
Betrugsverdacht gegen 45-Jährigen in Dresden
Die Staatsanwaltschaft klagt den Mann wegen Betrugs in 76 Fällen an. Sein Anlagemodell richtete sich gezielt an Hörgeschädigte. Festgenommen wurde er am 13. April 2026.
Hörgeschädigte betrogen: Angeklagter selbst hörgeschädigt
Versprochen: bis zu 400 Prozent Rendite – pro Monat. Über 800.000 Euro sollen auf seine Konten geflossen sein. Auch Frankenpost und Nordbayerischer Kurier berichten.
Schneeballsystem gegen gehörlose Anleger gestoppt
„SEC Halts Ponzi Scheme Targeting Deaf Investors“Hawaii: Ein selbst gehörloser Firmenchef sammelte auf Seminaren in Gehörlosenzentren 4,4 Mio. Dollar von 125 Anlegern ein. Versprochen: bis zu 25 Prozent im Monat.
Tausende gehörlose Anleger angeworben
„SEC Charges Solicitor in Investment Scheme Targeting Deaf Community“Texas: Ein gehörloser Vermittler warb 3,45 Mio. Dollar ein – mit 1,2 Prozent Rendite pro Tag. Selbst nach der Warnung der Behörde beruhigte er die Anleger weiter.
847 Gehörlose verlieren ihre Altersvorsorge
„SEC Charges Swedish National with Global Scheme … Including Deaf Community Members“Ein angeblich risikofreier „Rentenplan“, an Gold gekoppelt: Mindestens 847 gehörlose Anleger zahlten über 2 Mio. Dollar ein. Opfer in mehr als 45 Ländern.
Die Ausschnitte sind nachgestellt und gekürzt. Die US-Meldungen sind übersetzt. Für alle Angeklagten gilt bis zu einem Urteil die Unschuldsvermutung.
Wenn Vertrauen ausgenutzt wird
Unsere Gemeinschaft ist klein. Man kennt sich, man hilft sich – und man vertraut sich. Viele Gehörlose haben schon oft erlebt, dass sie bei Banken oder Behörden nicht richtig verstanden werden.
Dann kommt jemand, der die gleiche Sprache spricht. Der alles in Gebärdensprache erklärt. Der „einer von uns“ ist. Genau das macht so ein Angebot gefährlich: Man prüft weniger, weil man sich endlich verstanden fühlt.
Fachleute nennen das „Affinitätsbetrug“: Täter suchen ihre Opfer gezielt in der eigenen Gruppe – in Vereinen, Gemeinden oder Communitys. Das Geld ist weg. Aber oft geht noch mehr kaputt: Freundschaften, Vertrauen und der Mut, über Geld zu sprechen.
Wenn Du betroffen bist: Du bist nicht dumm und nicht allein. Betrüger sind Profis darin, Vertrauen zu gewinnen. Sprich darüber – mit der Polizei, der Verbraucherzentrale oder jemandem, dem Du vertraust.
6 Warnsignale für Anlagebetrug
Traumrendite
Zweistellige Renditen pro Monat – oder gar 400 % – gibt es nicht. Je höher das Versprechen, desto größer die Gefahr.
„Nur für uns“
„Exklusiv für Gehörlose“ klingt nach Zusammenhalt. Bei Geldanlagen ist es oft ein Trick, um Vertrauen zu erschleichen.
Zeitdruck
„Nur noch heute“, „Plätze sind begrenzt“: Wer Dich drängt, will nicht, dass Du nachdenkst oder jemanden fragst.
Privatkonto
Du sollst Geld auf ein privates Konto oder in Krypto überweisen? Seriöse Anlagen laufen über eine Bank oder ein Depot auf Deinen Namen.
Keine Unterlagen
Kein Prospekt, kein Vertrag, keine Erlaubnis der BaFin? Dann Finger weg – egal wie gut die Erklärung klingt.
Werben lohnt sich
Du bekommst Geld, wenn Du Freunde mitbringst? Das ist typisch für ein Schneeballsystem: Alte Anleger werden mit dem Geld der neuen bezahlt.
So schützt Du Dich
- Erlaubnis prüfen: In der Unternehmensdatenbank der BaFin siehst Du, ob eine Firma Geldgeschäfte machen darf. Finanzvermittler findest Du im Vermittlerregister.
- Warnungen lesen: Die BaFin veröffentlicht Verbraucherwarnungen zu unseriösen Anbietern.
- Zweite Meinung holen: Die Verbraucherzentrale hilft bei Fragen zu Geldanlagen. Und natürlich kannst Du auch mich fragen – kostenlos und in Gebärdensprache.
- Schon Geld überwiesen? Sofort Deine Bank informieren und Anzeige bei der Polizei erstatten – auch online über die Internetwache Deines Bundeslandes.
Frag lieber einmal mehr.
Du hast ein Angebot bekommen, das zu gut klingt? Schick es mir. Ich schaue es mir an und sage Dir ehrlich, was ich davon halte.
Darüber haben Medien berichtet
- Dresdner Morgenpost, 3.11.2026, S. 8: „Gehörloser Betrüger zockte gehörlose Opfer ab“ (Prozessbericht, Printausgabe)
- dpa, 25.09.2026, in der Volksstimme: „Hörgeschädigte betrogen: Angeklagter selbst hörgeschädigt“
- dieselbe dpa-Meldung bei der Frankenpost und beim Nordbayerischen Kurier
- Sachsen Fernsehen, 25.09.2026: „Betrugsverdacht gegen 45-Jährigen in Dresden“
- US-Börsenaufsicht SEC (englisch): Pressemitteilung 2009-30, 2011-181 und 2020-232
